was sind phytoöstrogene?
Phytoöstrogene, zu denen Isoflavone und Lignane zählen, sind vor allem in Sojaprodukten (Sojabohne, Tempeh, Tofu) und im heimischen Leinsamen und rotem Klee enthalten.
Sie zählen zu den sekundären
Pflanzenstoffen, genauer gesagt zu der Untergruppe Polyphenole, welche durch ihre wohltuenden Wirkungen in grünem Tee und rotem Wein bekannt geworden sind.
Den sekundären Pflanzenstoffen schreibt die Ernährungsmedizin im Gegensatz zu den primären (Kohlenhydrate, Fette, Eiweiße) pharmakologische Wirkungen zu. Die chemischen Wirkungen werden damit erklärt, dass sekundäre Pflanzenstoffe u.a. zum Schutz vor Fressfeinden gebildet worden sind.
So ist in den 40er Jahren beobachtet worden, dass in Australien Schafe, die auf kleehaltigen Weiden grasten, in den trockenen Dürremonaten offenbar keine Lust hatten, Nachwuchs zu
zeugen.
Die Ursache für dieses Verhalten erklärt Immunbiologe Prof. Gerhard Uhlenbruck, Köln: „Der Klee bildet bei Trockenheit aus seinen Flavon-Molekülen die Isoflavone, die ihn bei Trockenheit davor schützen, dass sich die Pflanzenfresser weiter vermehren und ihn ganz abfressen. Diese Schutzstoffe besetzen die Östrogenrezeptoren der Schafe und verhindern dadurch eine Befruchtung.
“ Bei den Phytoöstrogenen, die auch auf den Menschen wirken, handelt es sich um die Isoflavon-Derivate Daidzein und Genistein aus vor allem Sojaprodukten, sowie die Lignane aus z.B. Leinsamen.
Auch im menschlichen Körper können Phytoöstrogene an die Betarezeptoren für Östrogene andocken (allerdings nicht an die Alpharezeptoren) und diese somit für die echten endogenen Östrogene unzugänglich machen. In hohen Konzentrationen, wie sie sich im Blut und im Knochengewebe ansammeln können, zeigen Phytoöstrogene sogar östrogenartige Wirkungen.
Im Endometrium und Uterus hingegen, wo mehr Alpharezeptoren und weniger Betarezeptoren vorkommen, entfalten sie keine stimulierende Wirkung. Weiterhin bewirken Phytoöstrogene die Bildung von sex-hormone-bindung-globuline (SH-2). Dieses in der Leber gebildete Plasmaprotein bindet ca 70–80% der im Blut zirkulierenden Sexualhormone. Wenn durch Phytoöstrogene mehr SH-2 gebildet wird, erniedrigt sich die Menge des freien Östradiols und Östrons.
Damit wird die Beobachtung erklärt, dass der Menstruationszyklus der Japanerinnen in der Regel drei Tage länger dauert, die im zirkulierende Östrogenkonzentration um 20–30% niedriger ist und die im Harn ausgeschiedenen pflanzlichen Östrogene (Genistein, Daidzein) 50–100fach höhere Werte erreichen als bei Frauen in westlichen Industrienationen (Ingram 1997). Phytoöstrogene haben somit im Körper einen günstigen Einfluss auf verschiedene chronische Erkrankungen, die im Zusammenhang mit dem Östrogenspiegel im Körper stehen, wie wir im folgenden sehen werden.
Bei Beschwerden der Wechseljahre
Die charakteristischen Symptome des Klimakteriums wie Schweißausbrüche und Hitzewallungen werden hauptsächlich durch die Erhöhung der eierstockstimulierenden Hormone LH und FSH verursacht. Durch Östrogene und/oder Phytohormone besteht die Möglichkeit, die LH-Sekretion zu verringern. Man vermutet, dass die Inhaltsstoffe möglicherweise östrogenempfindliche Regulationsmechanismen im Hypothalamus, z.B. die Sekretion von LH-releasing-Hormon, beeinflussen (Duncan 1999). Die Wirkung von Phytoöstrogenen ist jedoch geringer als die von echten Hormonen, doch sie vergrößern dafür nicht das Risiko für Unterleibskrebs.
Gefäßschutz
Eine aktuelle Probandenstudie zeigt: Durch Sojaprodukte wird der HDL-LDL-Quotient normalisiert. Dieser beeinflusst die Plasmafettwerte positiv. Die Wirkung geht vor allem auf das Genistein zurück, das ähnlich wie Östradiol wirkt. Zum einen bewirkt es eine Freisetzung von NO, zum anderen potenziert es die Wirkung des Vasodilatators Acetylcholin. Durch die cholesterinsenkende Wirkung werden die arteriosklerotischen Prozesse gebremst, wodurch Phytoöstrogene auch kardioprotektiv sind.
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