Natürliche / synthetische Nahrungsergänzungen
So weit, so gut. Es gibt aber gravierende Unterschiede in der Zusammensetzung und Wirkung natürlicher und synthetischer Vitaminpräparate und vitaminähnlicher
Stoffe. Dies betrifft
besonders die Vitamine A, C, E und die Carotinoide, Beta-Carotin, Lycopin und Astaxanthin.
Kürzlich veröffentlichte Studien zeigten, dass isolierte, synthetische und hochdosierte
Vitaminpräparate beträchtliche Gesundheitsschäden verursachen können.
So haben z. B.
amerikanische Wissenschaftler in einer Meta-Studie herausgefunden, dass hochdosiertes Vitamin E (ab 400 IU/d) die allgemeine Sterblichkeit erhöhen kann und vermieden werden sollte. Dabei galt gerade hochdosiertes, isoliertes Vitamin E lange Zeit als der Heilige Gral der
Vitaminsupplemente.
Aber Vitamin E ist nicht gleich Vitamin E.
Als ideal und zu 100 % wirksam zu bezeichnen ist natürliches Vitamin E (D-α Tocopherol), welches in einen Vitamin E-Komplex eingebettet ist. Dieser besteht aus ingesamt 8 Tocopherolen und Tocotrienolen:
α Tocopherol
β Tocopherol
γ Tocopherol
δ Tocopherol
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α Tocotrienol
β Tocotrienol
γ Tocotrienol
δ Tocotrienol
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Als suboptimal zu bezeichnen ist synthetisches, isoliertes Vitamin E (DL-α Tocopherol) oder auch in seiner veresterten Form als Tocopherolacetat.
Während natürliche Tocotrienole nachweislich einen Herz- und Gehirnschutz entfalten, zeigte isoliertes Vitamin E (α Tocopherol) in 6 von 7 Studien keinen Schutz vor
Herzkreislauferkrankungen und Schlaganfällen. 3)
Zudem zeigte eine Studie im Rahmen des deutschen Gesundheitssurveys, dass die Einnahme von Vitamin E Präparaten, welche mehr als 50 mg α Tocopherol enthalten, zu reduzierten β und γ Tocopherolwerten im Blut führen
4) -
auf deutsch: Vitaminmangel durch Vitamine.
Nicht viel anders sieht es bei den CarotinoideN aus.
Hinlänglich bekannt sind sicher die großen Studien mit Rauchern (CARET und ATBC Studie), denen zum Schutz gegen Lungenkrebs β-Carotin verabreicht wurde. Die nachfolgenden Ergebnisse sprechen ihre eigene,
schockierende, Sprache:
CARET Studie (Beta-Carotin and Retinol Efficacy Trial)
Teilnehmer: 18.314 männliche und weibliche langjährige Raucher und Asbestarbeiter
Intervention: 30 mg β-Carotin/Tag
Ergebnis: 28 % mehr Lungenkrebs und 17 % mehr Todesfälle im Vergleich zur Placebo-Gruppe
ATBC Studie (Alpha-Tocopherol, Beta-Carotin Lung Cancer Prevention Trial (1994))
Teilnehmer: 29.133 starke finnische Raucher
Intervention: 20 mg β-Carotin pro Tag und/oder 50 mg Vitamin E
Ergebnis: Anstieg an Lungenkrebs (18 %) und Todesfällen bei β-Carotin. Verringerung der Krebs-Inzidenz bei Vitamin E, jedoch mehr Schlaganfälle mit Gehirnblutungen.
Ein weiteres Beispiel für isoliert und einseitig verwendete Nahrungsergänzungen ist Kalzium.
Gerne nehmen Frauen jenseits der 40 Präparate, die Kalzium und Vitamin D in Kombination enthalten, weil, wie man inzwischen überall lesen kann, beides in Kombination hervorragend gegen die gefürchtete Osteoporose helfen soll.
Allerdings sagt einem kaum jemand, dass das ideale Verhältnis von Kalzium zu Magnesium bei 2:1 liegt und auch nur so optimal seine Wirkung entfalten kann.
Ist dieses Verhältnis nicht gegeben, kommt es bei einem
Kalziumüberschuss zu einer verminderten Aufnahme von Magnesium - mit den entsprechenden
Folgen.
Es macht also Sinn, erstens Mineralstoffe in bioverfügbarer, organischer Form (als
Citrat oder Glukonat statt beispielsweise in seiner anorganischen Form als Carbonat) zu sich
nehmen und möglichst gleich einen ausgewogenen Komplex von Kalzium, Magnesium und
Kalium zu verwenden, um so eine optimale Aufnahme und Verwertung zu erzielen.
3) Randomized Trials of Vitamin E in the Treatment and Prevention of Cardiovascular Disease. Arch Intern Med. 2004; 164:1552-1556
4) Melchert, H.-U. und Pabel, E.: The Tocopherol Pattern in Human Serum is markedly influenced by intake of Vitamin E Drugs - Results of German National Health Surveys, JAOCS, Vol.75, Nr. 2, 1998
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