Der Sinn und Unsinn von Nahrungsergänzungen  - Teil 1


Auf Schritt und Tritt verfolgen uns Nahrungsergänzungen. 

Sie lauern an jeder Supermarktkasse. In Drogeriemärkten belegen sie ganze  Regalfluchten. Auch Apotheken und zahlreiche Internet-Shops haben ein durchaus einträgliches Verkaufssegment mit Vitaminen und Co. entdeckt. 

Ohne Nahrungsergänzungen, so wird uns vielfach Glauben gemacht, sei ein langes Leben bei guter Gesundheit gar nicht möglich. 
Auf der anderen Seite warnen viele Ärzte zu Recht vor der bedenkenlosen Einnahme der bunten Pillen und Kapseln und den Amerikanern wirft man vor, den teuersten Urin der Welt zu haben, da die häufig überdosierten wasserlöslichen Vitamine sowieso den Körper auf diesem Wege ungenutzt verlassen würden.

Was also stimmt nun? Wie soll man sich als kritischer Verbraucher da zurecht finden?

Fakt ist, Nahrungsergänzungen sollen genau das tun, was ihr Name schon impliziert: Sie sollen die Nahrung (eine möglichst gesunde und abwechslungsreiche natürlich) ergänzen. Nicht mehr und nicht weniger. Nahrungsergänzungen können allerdings nie ein Ersatz für gesunde Ernährung sein oder massive Ernährungssünden "neutralisieren".

Schauen wir mal in unser Nachbarland Österreich:
Wunsch und Wirklichkeit klaffen in Sachen Ernährung bei den meisten Österreicherinnen und Österreichern offenbar ziemlich weit auseinander. Nur so lässt sich erklären, dass Menschen sich wesentlich ungesünder ernähren, als sie vorgeben. 

Diesen Trend zeigt der Lebensmittelbericht von 2006 des Österreichischen Landwirtschaftsministeriums. Darin behauptet mehr als die Hälfte der Befragten, in den letzten zehn Jahren die Ernährung grundlegend umgestellt zu haben. 
Ganze 44 Prozent geben sich gesundheitsbewusst und teilen mit, dass Obst und Gemüse einen wesentlich höheren Stellenwert in ihrem Speiseplan haben. Jeder Dritte gibt an, heute weniger Fleisch zu essen. Die Verkaufs- zahlen bei den Lebensmitteln sprechen allerdings eine andere Sprache. 

Mehr Fleisch als Obst 
So ist der Pro-Kopf-Verzehr von Fleisch laut Bericht in den letzten fünf Jahren sogar leicht angestiegen. Geänderte Ernährungsgewohnheiten wie vermehrtes Essen außer Haus und eine zunehmende Zahl kleiner Haushalte haben das Segment der Imbisse und Fertiggerichte auf 14,5 Prozent des gesamten Fleischprodukt-Umsatzes ansteigen lassen. 

Im direkten Vergleich von Obst und Fleischprodukten hat die Pflanzenkost das Nachsehen: Während Herr und Frau Österreicher pro Jahr im Schnitt 99,4 Kilogramm Fleisch verzehren, liegt der Pro-Kopf-Verbrauch von Äpfeln, Orangen & Co bei 93,6 Kilogramm. Jeder Haushalt wendet jeden Monat im Schnitt beachtliche 74 Euro für Fleischprodukte auf. Und: Immerhin 29 Euro pro Monat investiert Otto Normalverbraucher in alkoholische Getränke. 

Halt, werden hier jetzt viele rufen: "Also ich ernähre mich ja abwechslungsreich und gesund und meist auch mit Produkten aus Bio-Anbau. Da brauche ich keine Ergänzungen."
Das wäre sicher richtig, würden wir heute noch unter Bedingungen wie vor 150 Jahren leben, aber der Mensch von heute hat einen höheren Vitalstoffbedarf. Dies ist begründet durch Stress, erhöhte Umweltbelastung und (oft auch ungewollt) ungesunde Ernährung. 
Ein bestehender Vitaminmangel wird meist verkannt. Man fühlt sich müde, ist lustlos und unkonzentriert. Wird dieser Mangel aber über eine längere Zeitdauer übersehen, kann dies zu gesundheitlichen Problemen führen. 
Früher war die Lebensmittelqualität eine andere und die Belastungen durch Umweltgifte (Smok, Abgase, Pestizide, Herbizide, Fungizide etc.), aggressive Sonneneinstrahlung, Stress, zu wenig Schlaf usw. viel weniger, bzw. gar nicht vorhanden. Früher genoss man meist frisches Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten. Eine Lagerung von unreifem Obst über Wochen und Monate in begasten Containerhallen und anschließend im Supermarkt wäre damals völlig undenkbar gewesen. 
Ballaststoffe spielten noch eine Rolle in der Ernährung, E-Nummern waren Zukunftsmusik. Gehärtete Fette, Geschmacksverstärker, Zucker und Zuckeraustauschstoffe, Bindemittel, Konservierungsstoffe? Fehlanzeige. Heute sind diese Zusätze die Norm in fast allen Lebensmittelzubereitungen. Convenience-Produkte, industrielle Landwirtschaft mit dem massiven Einsatz von Chemie und ihren ausgelaugten Böden, der Einsatz der Mikrowelle, ungünstige Nahrungsmittelzusammenstellungen uvm. tragen sicher nicht zu gesunder, vitalstoffreicher Ernährung bei.

Verstehen Sie mich nicht falsch: 
Ich bin ein großer Anhänger von Bio-Produkten und sie sind meine Wahl, wo immer ich sie bekommen kann. Aber ich bin der Ansicht, dass auch sie unseren gestiegenen Nährstoffbedarf nicht vollständig decken können. Sie können nur vermeiden helfen, dass sich zu einem Nährstoffmangel auch noch eine Belastung mit unerwünschten Stoffen gesellt.

Ungenügende Mikronährstoffaufnahmen sind, wie aus einer Anzahl von neuesten, europäischen Studien hervorgeht, in der Bevölkerung weit verbreitet. Zwischen 10 und 30 % der Bevölkerung nehmen weniger als die empfohlenen Tagesmengen an Eisen, Selen, Zink und den Vitaminen B und C auf. Es wird angenommen, dass unzureichende Aufnahmen kombiniert mit grenzwertigen, latenten Mangelsituationen (borderline deficiencies) zur Entstehung von kardiovaskulären Erkrankungen und Tumoren beitragen und im Allgemeinen den Alterungsprozess beschleunigen    1)

Dagegen können die Vitamine A und E z. B. Demenz vorbeugen. Der Ernährungsstatus hat Einfluss darauf, ob ein Mensch an Demenz erkrankt oder nicht. Charakteristisch für den Alterungsprozess des Menschen ist ein erhöhtes Aufkommen von freien Radikalen, die Zellen schädigen können, bei gleichzeitig reduzierter Kapazität des antioxidativen Systems, das normalerweise die freien Radikale unschädlich macht. 
Französische Forscher haben jetzt den Zusammenhang zwischen den antioxidativ wirksamen Nahrungsinhaltsstoffen Vitamin A sowie E und dem Auftreten von Demenzerscheinungen untersucht. Die im renommierten European Journal of Clinical Nutrition publizierten Studienergebnisse zeigen, dass Personen mit einer niedrigen Vitamin E- und A-Konzentration im Blutplasma ein höheres Risiko haben, in den Folgejahren eine Demenz zu entwickeln   2)

Weiterlesen auf Seite 2

1) AKE-Report NR. 13, JUNI 2003 (Eine Publikation Der Arbeitsgemeinschaft Klinische Ernährung) 
2) Helmer C, et al.: Association between antioxidant nutritional indicators and the incidence of dementia: results from the PAQUID prospective cohort study. European Journal of Clinical Nutrition (2003), 57: 1555 - 1561.

 

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Stand: 03.09.2010 10:25

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